Kein poetisch aufgebauter Held des Mittelalters war in einer derartigen Zwangslage, sich in Abgrenzung zu anderen so schonungslos zu reflektieren wie Parzivâl im Karfreitagsgespräch mit Trevrizent. Bis hin zur kompletten Selbstauflösung, ja sogar zum Entschwinden aus dem Epos im letzten Drittel musste der Held Altes ablegen, Neues erlernen und doch er selbst bleiben. So wirken die Worte von Feirefîz, Parzivâl hätte gegen sich selbst gekämpft, regelrecht programmatisch für ein Epos, dessen poetische Grundlagen so sehr vom Habitus der höfischen Literatur abweichen und eine Figur erscheinen lassen, die viel mehr mit unserem heutigen Verständnis von Individualität zu tun hat, als mit den schematisch angelegten Helden von beispielsweise Wolframs Zeitgenossen Chretién oder Hartmann. So fordert das Parzivâlepos immer wieder dazu heraus, sich nicht nur analytisch mit einem epischen Stoff des Mittelalters auseinanderzusetzen, sondern auch besonders mit der Figur des Helden sowie der Gralsgemeinschaft, die wie der Held selbst ja letztlich einen Weg zwischen Scheitern, Illuminatio und Erlösung durchleiden musste, und damit oftmals einen weiten Raum für interessante, erkenntnisreiche, aber auch fragwürdige Interpretationen eröffnete. Frank Steinwachs |
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