Die litauische Hauptstadt hat sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion grundlegend gewandelt. Die Innenstadt wurde saniert, neue Quartiere sind entstanden. Andererseits zerfallen die Großsiedlungen am Stadtrand zusehends. Jolita Lenkeviciute beschreibt, wie sich unter den gegenwärtigen Bedingungen der freien Wohnwahl eine neue Dynamik der sozialräumlichen Segregation entfaltet. Auf der Grundlage umfangreichen empirischen Materials, repräsentativer Umfragen und qualitativer Interviews erfasst sie das Wohnverhalten der Menschen in den Vilniuser Großquartieren in der Phase der Transformation.
Im Wandel offenbart sich zugleich die Kontinuität sozialräumlicher Ungleichheit, die noch aus dem Staatssozialismus stammt. Die in der Sowjetzeit erwachsenen städtischen Segregationsmuster bestehen fort, die Mobilitätsentscheidungen der Bewohner sind weiterhin von ihrer staatsozialistischen Erfahrung bestimmt. Jolita Lenkeviciute verweist auf die historischen Tiefenschichten der Dynamik sozialräumlicher Differenzierung und sie verdeutlicht - Georg Simmels stadtsoziologische Reflexionen aufgreifend - die kulturelle Dimension der Transformation. Denn der Wandel von Vilnius wird erst vor dem Hintergrund von Sozialisationsprägungen, Wahrnehmungsmustern und Handlungsstrategien der Bewohner verständlich.

Jolita Lenkeviciute
Vilnius im Wandel. Wohnsegregation in einer ostmitteleuropäischen Hauptstadt
ISBN 10: 3-86573-184-8
ISBN 13: 978-3-86573-184-5
458 S. 46 EUR. 2006 (Diss.)

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