Karl Helmer hat in den letzten Jahren "Sakralisierungen in der Moderne" als eines seiner vordringlichen Interessensgebiete genannt. In zahlreichen Beiträgen zeigt er auf, dass durch die Aufklärung und Säkularisierung die Bedeutung des Religiösen hinsichtlich der institutionalisierten christlichen Religion zwar geschwunden ist, dass aber gleichzeitig quasi-religiöse Strukturen Fuß gefasst haben. Beispiele, die er hierfür anführt, sind die Bildungsreise, die in der Tradition der Pilgerreise steht, der Fan-Kult, der Strukturen der Reliquienverehrung aufnimmt, oder der Nationalismus, bei dem Volk und Vaterland die Rolle des Göttlichen derart übernehmen, dass christliche Motive (gelobtes Land, Märtyrertod für das Vaterland, Kämpfe gegen die Bösen etc.) normgebend und handlungsleitend wirksam werden. Diese "Gegenspieler der Vernunft" widerstreben aufklärerischem Denken und untergraben es, sind aber in der Gegenwart fest etabliert. Gaby Herchert/Sascha Löwenstein (Hrsg.) |
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